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Tel Aviv: Eine Stadt wächst in den Himmel – Auf der Erde wird der Platz zu knapp und immer teurer.

„Do you like Israel?“, fragt mich der Taxifahrer nachdem er erfahren hat, woher ich komme. Bevor ich mein „ja“ ganz ausgesprochen habe, entgegnet er: „I don’t“. Für ihn sei es ok, er sei alt (58!), hier geboren und werde hier sterben. Aber die jungen Leute hätten keine Perspektive. „Alles ist viel zu teuer und die Gehälter so niedrig“, ergänzt er. Sein Sohn habe nach New York geheiratet. Dort gehe es ihm besser. Im Park vor dem Bahnhof Savidor Central stehen noch die Zelte der jungen Leute, die vor zwei Jahren zu Tausenden gegen die explodierenden Preise und die horrenden Mieten im Land protestiert haben. Folien und Zeltplanen flattern im Wind, ein paar Schilder erklären, worum es geht. Viel los ist nicht an diesem Sonntag (hier der erste Arbeitstag der Woche) Vormittag. Ich werde heute Abend da noch mal vorbeischauen.

„Das bringt eh nichts“, meint der Taxifahrer mit einer abfälligen Handbewegung. Er lebe das ganz Jahr in Deutschland. Meinen irritierten Blick erwidert der Mann mit einer Geste. Er zeigt auf den Stern in der Mitte seines Lenkrads. Ach so. Wir lachen beide. „You like it?“, frage ich ihn. „Yes very much.“ Vorbehalte gegen Deutsche oder Deutschland habe ich hier noch nicht erlebt, eher Bewunderung.

Auf der kurzen Strecke zum Meer erzählt er mir in kryptischem Englisch sein halbes Leben. Einst habe ihm Israels größte Fabrik für Autoteile gehört. Nach der Pleite wollte er übergangsweise Taxi fahren. „Jetzt sind es schon neun Jahre“. Nein, ein gutes Geschäft sei das Taxi nicht, aber besser für die Nerven: Kein Ärger mit den Angestellten. Gleich nach dem Ende seiner Fabrik ereilte ihn ein Herzinfarkt. Hinter dem Steuer habe er seine Ruhe. Auf den Fahrpreis hatten wir uns schon vorher geeinigt. „50 Schekel (ca 11 Euro) oder soll ich den Zähler anschalten?“, war seine Antwort auf meine Frage nach dem Tarif. Billig ist das nicht für die höchstens 3 Kilometer durch die Stadt, aber wahrscheinlich das Übliche hier. Israel ist längst im Orient angekommen, das Leben weitgehend Verhandlungssache.

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