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Flughafen Nizza (Nice). Bestellungen im 15-Sekunden-Takt. Der schwitzende Sandwichverkäufer rotiert, packt rasend flink belegte Baguettes in Tüten, holt Getränke aus dem Regal, reicht das Gewünschte über die Theke und kassiert. „Der Nächste bitte“. Die Schlange vor dem Schalter wird trotzdem immer länger. In der Abflughalle drängen sich die wartenden Passagiere. Viele stehen. Die Sitzplätze sind alle belegt, die Luft heiß und stickig, die Durchsagen im Lärm der Menschenmenge kaum zu verstehen.

„Bonjour kann man doch sagen“, mault der sonst sehr freundliche Verkäufer, als sich eine Kundin mit Kaffeebecher und Sandwichtüte zum Gehen wendet. Wie so viele an diesem Mittag hatte sie wortknapp auf Englisch Kaffee und Brötchen angefordert, kein Guten Tag, kein Bitte, kein Danke.

„Wünsche guten Flug und heftige Turbulenzen“, murmelt ihr der Verkäufer hinterher. Seine Kollegin lacht. Die Umstehenden verziehen keine Miene. Ich bin der Nächste in der Reihe, bemühe mich um ein besonders freundliches „Bonjour“, bitte um mein belegtes Baguette und versuche ihn ein wenig zu beruhigen: „Die Leute sind doch im Stress, haben Angst, Ihren Abflug zu verpassen. Viele können kein Französisch“. – „Bonjour ist doch nicht so schwer und – Was heißt schon Stress?“, entgegnet der Verkäufer, während er den nächsten Kaffeebecher füllt und ein Sandwich aus der Kühlung angelt, „irgendwann liegen wir alle in einer Holzkiste und rühren uns nicht mehr.“ Er lächelt. Zum Kaffee schenkt er mir noch einen Becher Wasser. Vielleicht war ich der erste, der diesen gestressten Menschen an diesem Tag beachtet hat.

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