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Bolsena. Auf der Terrasse am See sitzen vor allem alte Herrschaften unter einem großen luftige Dach. Manche spielen stundenlang Karten, eine ältere Dame liegt Pastiencen, andere unterhalten sich, viele schauen nur in der Gegend herum. Einige der Gäste sind schon sehr gebrechlich. Angehörige helfen ihnen beim Aufstehen oder herumgehen, begleiten sie zum Zimmer oder in den Speisesaal: eine dezente Mischung aus FDGB-Ferienheim der DDR und sonnigem Süden. Dazwischen junge Familien, Paare Einzelreisende. Bedient werden alle sehr freundlich. Von einer Besucherin bekommt die Putzfrau bei Schichtbeginn ein Begrüßungsküsschen.

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Mir scheint es, als seien die meisten Stammgäste. „Mein Vater hat das Hotel in den 60er Jahren mit vier Zimmern gegründet“, erzählt mir die Wirtin und strahlt. Ja, ihr Papa, Jahrgang 1926, sei immer noch da.  „Inzwischen haben wir 90 Zimmer“. Die verteilen sich im Park mit Schwimmbad auf mehrere keine Häuser. Den Altbauten sieht man die 50 Jahre an: Rissige Tapeten, Flecken an den Wänden. Es riecht muffig. Die neueren Häuser sind gut in Schuss, frische goldgelbe Tapeten, dazu passend die Vorhänge in rot. Die Klimaanlagen liefern auch bei draußen 36 Grad wunderbar kühle Luft.

Die Chefin kümmert sich um alles und jeden, beantwortet geduldig alle Fragen, telefoniert und versucht, alle Zimmerwünsche zu erfüllen. Jede Reservierung trägt sie in ihren handgeschrieben Belegungsplan ein, bessert aus, überklebt die Einträge, wenn sich etwas ändert.

Ein paar mal mussten wir das Zimmer wechseln, u.a. weil mein Sohn unerwartet dazu kam: Mit viel Mühe hat sie auch das organisiert, entschuldigt sich ausführlich, weil sie einmal etwas vergessen hat.

Obwohl die Stadt voll mit deutschen und niederländischen Touristen ist wohnen hier fast nur italienische Gäste, die hier ganz im alten Stil ihre Sommerfrische verbringen.

Credit: Dieser Post ist nicht gesponsort. Wir haben unser Zimmer ganz normal bezahlt und die Wirtin weiß gar nicht, dass ich Journalist bin und dass ich blogge.

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