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München/Nürnberg. Nach fünf Tagen im Glutofen München habe ich mein Gehirn aufgegeben. Es ist zu einem funktionslosen matschigen Haufen geschmolzen: zähflüssige Gedanken, die beim ersten Anlauf in einem Schweißausbruch stecken bleiben. Die Vorstellung, dass Gedanken Körperbewegungen steuern könnten, ist mir in den letzten Tagen immer fremder geworden. Das lauwarme Wasser des Freibads bringt kaum Abkühlung. Der beständige Wind erinnert an einen Föhn, der sich nicht mehr abstellen lässt. Die Erlösung bringt ein Großunternehmen, dass sonst wenig zur Erbauung seiner Kunden bietet: Die Deutsche Bahn. Im Speisewagen hat es gefühlte 29,9 statt draußen 30 Grad. Still und leise steht die heiße Luft, das selbe im Bistro .

Hinter dem Tresen fragt die in Bahnuniform gequetschte Kellnerin lächelnd: „Ist Ihnen warm.“ Ihre PR-Lektion hat die junge Frau gelernt: Freundlich bleiben und humorvoll: „Die Klimaanlagen hat Siemens gebaut, nicht die Bahn. Warum schimpfen dann immer alle auf die Bahn?“ Meine Antwort quittiert sie mit einem weisen Lächeln: „Weil ihr Euch diesen Mist habt andrehen lassen und ihn sogar noch bezahlt.“

Mit Tee und Kuchen mache ich mich zu Fuß auf Richtung Nürnberg. Von Waggon zu Waggon wird es kühler: Eine funktionierende Klimaanlage. Noch vor Ingolstadt erwacht neues Leben zwischen meinen Ohren.

Wann gibt es Hitzetickets bei der DB? – gültig deutschlandweit in allen Waggons mit funktionierender Klimaanlage ab 27 Grad Außentemperatur. Fahren müssen die Züge dann gar nicht mehr.

 

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